Monatsarchiv: September 2009

Zwei Preisfragen mit Antworten

Frage 1: Wie kriege ich einen Journalisten oder Blogger dazu, auf meinen Pitch zu reagieren?

Antwort 1: Arbeiten Sie den Pitch in einen bereits bestehenden email-Dialog ein.

Frage 2: Was ist nun der beste Weg einen solchen Dialog aufzubauen?

Antwort 2: Wenn Sie einen Bericht sehen oder lesen, der von für Sie interessanten Autoren verfasst ist, schreiben Sie ein kurzes email. Loben Sie den Bericht, erwähnen Sie, was Sie daran interessant finden. Egal, ob der Bericht etwas mit Ihrem Unternehmen zu tun hat, oder nicht.

Nehmen Sie sich die Zeit dafür, solange Sie nicht unter Druck stehen, damit die Vorarbeit getan ist, wenn Ihr Boss oder Ihre Kunden auf eine Platzierung drängen.

Und so gehen Sie es an:

  1. Nehmen Sie sich zwei Minuten zwei- bis dreimal pro Woche, um ein paar solcher emails abzuschicken. Der Berichterstattung Ihrer “Targets” folgen Sie idealerweise ohnehin., selbst wenn Sie gerade nicht an einen Pitch denken. BESONDERS wenn sie gerade nicht vorhaben, diese bestimmt Person zu pitchen.
  2. Oftmals werden Sie eine Antwort erhalten,  oder ein “Danke” für Ihr Mail (viele Journalisten freuen sich wirklich über Lob). Wenn es eine Möglichkeit für Sie gibt, den Austausch am  Laufen zu halten, prima. Vielleicht stellt man Ihnen eine Frage oder stellt ein neues Thema vor. Wenn nicht, drängen Sie nicht!
  3. Wenn Sie in den kommenden 2-3 Wochen einen passenden Pitch haben, senden Sie ihn an den Journalisten oder Blogger, indem Sie auf sein letztes email antworten. Möglicherweise erinnert sich der Journalist an die Betreff-Zeile Ihres letzten Austauschs und liest Ihr email.  Ihre vorangegangene Unterhaltung bestärkt zudem Ihre Glaubwürdigkeit als jemand, der sich nicht nur dann meldet, wenn er etwas braucht.

Dieser Ansatz hat für uns bereits einige Male funktioniert, besonders bei übergreifenden Tageszeitungen.

Und, als letztes Beispiel:  letzte Woche las ich eine sarkastische Kolumne und nahm an, dass ein Großteil der Leser die Ironie nicht verstehen würde. Also schrieb ich dem Verfasser ein kurzes email mit den Worten “immerhin einer, der den Witz verstanden hat und lustig fand”.  Zurück kam postwendend eine Nachricht des Journalisten : “das sind dann schon zwei unter Tausenden…”

Kurz darauf gab es tatsaechlich etwas, das zu seiner Berichterstattung passte. Ich antwortete auf seine Antwort und wer haette es gedacht: . meine Geschichte erschien in der Sonntagsausgabe.

Wie wählen Sie aus, welche Blogger Sie pitchen?

Wir geben es zwar nicht gerne zu, aber wenn wir “Alte Medien” pitchen, waehlen wir diese doch meist nach der Bekanntheit der Stadt in deren Namen aus. Die FAZ waere uns wahrscheinlich wichtiger, als der Offenbacher Stadtanzeiger. Oder wir gehen danach, ob wir von dem Magazin ueberhaupt schon einmal gehoert haben.

Es gibt allerdings Beispiele, die belegen, dass es andere Kriterien gibt, deren Beachtung zu grossem Erfolg führt.

Eine Bekannte begann einen kleinen Blog ueber ihr Interesse am Naehen und fand darueber andere junge Muetter, die ihre Begeisterung teilten. Der Blog war uebersichtlich und ohne grossen Aufwand, keine Werbung, bloss ein paar Hundert Besucher pro Woche.

Einmal erwaehnte sie eine groessere Stoffirma in ihrem Beitrag. Etwas spaeter schrieb eine Frau, die sich als Representantin dieser Firma vorstellte einen positiven Kommentar in den Blog. Man kann sich vorstellen, wir begeistert die junge Bloggerin darueber war, dass jemand sie bemerkt hatte. Ich selber war beeindruckt, dass die Firmenmitarbeiterin sich die Zeit genommen hatte, aus ihrem Google-Alert eine neue Beziehung aufzubauen, obwohl es keine Indikatoren dafuer gab, dass dieser Blog fuer sie von irgendeinem Wert sein koennte.

Einige Monate spaeter wurde meine Bekannte von “DesignMom” “entdeckt”, die als einer der Top-Muetter- und Parenting-Blogs gehandelt wird. Letzte Woche war sie dort “Gast-Mutter” und lieferte einmal pro Tag einen Beitrag. Und jetzt koennen sie raten, welche Stoffirma sie wieder und wieder bei zehntausenden von Besuchern dieser Seite positiv erwaehnte?

Da viele Top-Blogger einen enormen Druck haben, dauernd neuen Inhalt zu generieren, sind viele dazu uebergegangen, Gastbeitraege aufzunehmen. Diese Blogs, von denen niemand jemals gehoert hat, erwaehnen dann unter Umstaenden wieder und wieder Ihre Firma und koennen damit eines Tages fuer Sie der Zugriff auf eine groessere Zuhoererschaft sein, als Sie es jemals erwarten wuerden!

Also: die Sache, die Sie vielleicht noch nicht bemerkt haben: kleine Blogger koennen so schnell sehr gross werden.

Und was Sie aus dieser Erkenntnis machen koennen:

Wenn Ihre Suchmachinen einen Blog finden, der Ihre Firma erwaehnt, geben Sie einen positiven ermutigenden Kommentar ab (machen Sie klar, dass Sie die erwaehnte Organisation repraesentieren).

Danach koennen Sie dann entscheiden, wie weit sie diese neu geknuepfte Beziehung entwickeln moechten.

Viel Erfolg!

Web-Wahlkampf auf Facebook und Co.

Seit der amerikanischen Präsidentschaftswahl und dem Sieg Barack Obamas gehört es ja fast schon zum guten Ton, die Bedeutung des Internet und der Web 2.0-Wahlkämpfe zu preisen. Was natürlich seine Berechtigung hat: Die Mediennutzung verschiebt sich rasant in diese Richtung, und das Web bietet tatsächlich einzigartige Möglichkeiten – ganz im Gegensatz zu lahmen Wahlplakaten.

Obama hat es vorgemacht – und zählt mit aktuell mehr als 6,7 Mio. Befürwortern auf Facebook zu den absoluten Stars. Bleibt die Frage, was die deutschen Parteien und ihre Spitzenkandidaten im Internet so treiben.

Die Antwort lautet: Viel. Sehr viel sogar. Wer sich einmal die Mühe macht nachzuzählen, stellt fest, dass die Zahl der Kandidaten- und Kampagnenseiten in die Dutzende geht und dass alle Parteien und ihre Spitzenleute teilweise üppigst in den großen  sozialen Netzwerken vertreten sind. Wer möchte, kann auf Youtube stundenlang Wahlwerbespots schauen.

Auch die Kanzlerkandidaten scheinen jede Scheu vor dem Web-Wahlvolk verloren zu haben: Angela Merkel tritt auf Facebook mit der Aktion „Frag Angie“ an, Frank Walter Steinmeier lässt auf seiner wirklich nicht  schlecht gemachten Seite http://www.steinmeier-wird-kanzler.de Unterstützer wie Kamermann Michael Ballhaus per Video zu Wort kommen oder auch den (mir unbekannten) Banker Matthias Kollatz-Ahnen, der dort zu seinen Erwartungen an „Good Banks“ spricht bzw. schreibt.

So weit, so vorbildlich. Wer jedoch die nackten Zahlen dahinter betrachtet, ist schnell ernüchtert: Angela Merkel kommt bei Facebook auf 16.188 Befürworter, Frank Steinmeier auf 5.862. Guido Westerwelle liegt mit 2.700 abgeschlagen auf dem dritten Platz. Wahlwerbespots wie „Das erste Mal“ von der FDP kommen bei Youtube auf eine Abrufzahl von 393 (Stand 10.9., 18.10 Uhr) … Auch von einer gegenseitigen Befruchtung digitaler/realer Wahlkampf ist wenig bis gar nichts zu spüren. Und das, wo es an kontroversen Themen wahrhaftig nicht mangelt (erinnert sich noch jemand an den Lehman Kollaps vor einem Jahr?).

Das lässt eigentlich nur die Folgerung bzw. Frage zu: Sind unsere Politiker im Web eventuell schon weiter als wir, das Volk?
Oder haben da wieder einmal die Politiker versagt (kennt man ja), die so überhaupt nicht verstehen, wie das Volk angesprochen werden will?

Immerhin, in einem Fall stimmt das nicht weiter traurig: Auch wenn immer gesagt wird, die Rechten seien besonders aktiv im Netz: Günter Voigt, NPD-Vorsitzender, ist nicht bei Facebook. Gott sei´s gedankt.

Die Geheimnisse der PR …

… sind bald nicht mehr so geheim. Zu verdanken haben wir das einem Kollegen aus der Medienbranche, der auf seiner Website „Berufsgeheimnisse“ Profis aus dem Nähkästchen plaudern lässt.