Web-Wahlkampf auf Facebook und Co.

Seit der amerikanischen Präsidentschaftswahl und dem Sieg Barack Obamas gehört es ja fast schon zum guten Ton, die Bedeutung des Internet und der Web 2.0-Wahlkämpfe zu preisen. Was natürlich seine Berechtigung hat: Die Mediennutzung verschiebt sich rasant in diese Richtung, und das Web bietet tatsächlich einzigartige Möglichkeiten – ganz im Gegensatz zu lahmen Wahlplakaten.

Obama hat es vorgemacht – und zählt mit aktuell mehr als 6,7 Mio. Befürwortern auf Facebook zu den absoluten Stars. Bleibt die Frage, was die deutschen Parteien und ihre Spitzenkandidaten im Internet so treiben.

Die Antwort lautet: Viel. Sehr viel sogar. Wer sich einmal die Mühe macht nachzuzählen, stellt fest, dass die Zahl der Kandidaten- und Kampagnenseiten in die Dutzende geht und dass alle Parteien und ihre Spitzenleute teilweise üppigst in den großen  sozialen Netzwerken vertreten sind. Wer möchte, kann auf Youtube stundenlang Wahlwerbespots schauen.

Auch die Kanzlerkandidaten scheinen jede Scheu vor dem Web-Wahlvolk verloren zu haben: Angela Merkel tritt auf Facebook mit der Aktion „Frag Angie“ an, Frank Walter Steinmeier lässt auf seiner wirklich nicht  schlecht gemachten Seite http://www.steinmeier-wird-kanzler.de Unterstützer wie Kamermann Michael Ballhaus per Video zu Wort kommen oder auch den (mir unbekannten) Banker Matthias Kollatz-Ahnen, der dort zu seinen Erwartungen an „Good Banks“ spricht bzw. schreibt.

So weit, so vorbildlich. Wer jedoch die nackten Zahlen dahinter betrachtet, ist schnell ernüchtert: Angela Merkel kommt bei Facebook auf 16.188 Befürworter, Frank Steinmeier auf 5.862. Guido Westerwelle liegt mit 2.700 abgeschlagen auf dem dritten Platz. Wahlwerbespots wie „Das erste Mal“ von der FDP kommen bei Youtube auf eine Abrufzahl von 393 (Stand 10.9., 18.10 Uhr) … Auch von einer gegenseitigen Befruchtung digitaler/realer Wahlkampf ist wenig bis gar nichts zu spüren. Und das, wo es an kontroversen Themen wahrhaftig nicht mangelt (erinnert sich noch jemand an den Lehman Kollaps vor einem Jahr?).

Das lässt eigentlich nur die Folgerung bzw. Frage zu: Sind unsere Politiker im Web eventuell schon weiter als wir, das Volk?
Oder haben da wieder einmal die Politiker versagt (kennt man ja), die so überhaupt nicht verstehen, wie das Volk angesprochen werden will?

Immerhin, in einem Fall stimmt das nicht weiter traurig: Auch wenn immer gesagt wird, die Rechten seien besonders aktiv im Netz: Günter Voigt, NPD-Vorsitzender, ist nicht bei Facebook. Gott sei´s gedankt.

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Eine Antwort zu “Web-Wahlkampf auf Facebook und Co.

  1. An sich ne gute Sache, ich frag mich nur, ob das auch dauerhaft brauchbar bleibt.

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