Monatsarchiv: November 2009

Wohin fährt der Social Media Zug in 2010?

Wir wagen an dieser Stelle mal fünf Prognosen:

1. Die Bedeutung von lokalen Inhalten wird stark zunehmen: Google macht – etwa bei Google Maps – vor, was auf lokaler Ebene bereits alles möglich ist. Auch die Nutzung der sozialen Medien wird sich (noch) stärker ins Lokale verlagern. Schon jetzt haben 50% aller Facebook-Kontakte einen eindeutig lokalen Bezug – frei nach dem Motto: Die Person kenne ich aus meiner direkten Umgebung, also vernetze ich mich auch mit ihr.

2. Mitarbeiter sind die neuen Pressesprecher. Das Zeitalter der bloggenden und twitternden Angestellten hat gerade erst begonnen – wie etwa bei Sun oder Microsoft, wo mittlerweile Tausende von Kollegen bloggen. PR-Leute werden sich auf eine veränderte Rolle einstellen müssen, die des „Kommunikations-Ermöglichers“, der lenkt und leitet, aber längst nicht mehr alles kontrolliert.

3. Die Zeit von Paid Content rückt unaufhaltsam näher … Rubert Murdoch ist einer der ersten, die es vormachen, weitere Unternehmen werden folgen. Premium Content wird zunehmend kostenpflichtig.

4. Google Wave ist erst der Anfang – Real Time Kommunikation wird der neue Standard. Dazu zählt auch, dass für PR-Leute Monitoring und Research von Stimmungen in Echtzeit schon bald zum Alltag gehören wird.

5. Die Macht des (Konsumenten-) Wortes wird weiter zunehmen. Heute sind es vornehmlich Konsumgüter, die von kritischen Konsumenten bewertet, gehypt oder in den Abgrund geschrieben werden. Morgen wird sich ausnahmslos jedes Unternehmen und jede Organisation im hellen Licht einer sich beständig wandelnden Öffentlichkeit bewegen.

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Schweinegrippe und Kommunikation 2.0

Deutschland im Herbst 2009 – die Schweinegrippe geht um, die Nation hustet und sorgt sich, die Republik kennt nur ein Thema. Die ganze Republik? Nein, wer die Websites der großen deutschen Kliniken anklickt, erfährt dort alles Mögliche, nur zum Thema Schweinegrippe halten sich die meisten Gesundheitsdienstleister auffallend zurück. Dabei wären doch gerade sie es, die kompetent und umfassend informieren könnten.

Wir haben uns mal den Spaß gemacht und die Internet-Präsenzen von mehr als 50 der größten deutschen Kliniken im Hinblick auf deren Kommunikationsarbeit in Sachen Neue Grippe gecheckt. Das Ergebnis offenbart einigen Nachholbedarf in Sachen Online-Kommunikation: Von 55 der nach Bettenanzahl größten deutschen Kliniken nutzen ganze 12 Häuser ihre Websites, um Besucher direkt und ohne Umwege über die Neue Grippe aufzuklären. Das ist umso seltsamer, als die Schweinegrippe doch eigentlich eine Steilvorlage für die Kommunikationsarbeit von Gesundheitsdienstleistern wäre.


Aufklärungsarbeit zu Kopfläusen – aber kein Wort zur Grippe

Doch insbesondere viele Unikliniken scheinen keinen Anlass zu sehen, ihre verunsicherten Besucher im Internet detailliert über die aktuelle Situation und Hintergründe aufzuklären. Auf den Websites finden sich Pressemitteilungen zu teilweise bizarren Themen wie „Erfahren Sie, wie Flöhe und Läuse wohnen“, „Halloween Blutspende Aktion“ oder „Wenn Kindern das Kreuz weh tut“ – aber kein Wort zur Neuen Grippe. Mal eine Verlautbarung zur Impfung des Klinikpersonals, im höchsten Falle ein versteckter Link zum Robert Koch Institut – das war´s. Das ist umso seltsamer, als viele Patienten und Ratsuchende sicher den Wunsch verspüren, sich ohne Umwege direkt bei den Experten zu informieren – sprich bei Klinikpersonal und Ärzten.

Immerhin: Eine kleine Anzahl von Krankenhäusern leistet teils vorbildliche Aufklärungsarbeit und informiert Patienten schon auf den Startseiten. Zu diesen Positiv-Beispielen zählen etwa  die Berliner Charité (http://www.charite.de), die Medizinische Hochschule Hannover (http://www.mh-hannover.de), das Ortenau Klinikum (http://www.ortenau-klinikum.de) oder das Städtische Klinikum Karlsruhe (http://www.klinikum-karlsruhe.com). Sie alle bieten Informationen zur Grippe, zu Impfung und Ansteckungsrisiken. Und – auch das sei erwähnt – viele der deutschen Krankenkassen halten ebenfalls vorbildlich aufbereitete und gestaltete Informationen bereit (http://www.dak.de, http://www.aok.de).

Informationspolitik 2.0 – Vorbild USA

Ein Blick in die USA zeigt, was in Sachen Aufklärungsarbeit über das Internet möglich ist: Kein einziger großer Klinikbetreiber lässt dort die Gelegenheit aus, Patienten umfassend zu informieren, direkt auf der eigenen Website und ohne den Umweg über die klassischen Massenmedien. Beispiele sind etwa

– Mayo Clinic (http://www.mayoclinic.com)

– Cleveland Clinic (http://cchealth.clevelandclinic.org)

– John Hopkins Hospital (http://www.hopkinsmedicine.org)

– oder Beth Israel Deaconess Medical Center (http://www.bidmc.org)

Alle diese Unternehmen glänzen mit detailliertesten Materialien – vom „Flu Tracker (http://www.sharp.com/primary-care/h1n1-seasonal-flu.cfm)  bis hin zu umfassend gestalteten „Flu Facts pages“ (http://www.bidmc.org/YourHealth/FluFacts.aspx).

Wer selbst mal nachschauen möchte: Die größten Krankenhäuser und Klinikbetreiber Deutschlands lassen sich über die Website der Deutschen Krankenhausgesellschaft recherchieren: http://dkg.promato.de. Eine Übersichtsliste über die größten Klinken der USA findet sich etwa auf der Website von U.S.News: http://health.usnews.com/health/best-hospitals

 

Print vs. Online

Für viele Bosse oder Kunden ist es nicht genug,  in der Online-Ausgabe ihrer wichtigsten Zeitung oder Zeitschrift genannt zu werden. “Das ist klasse, aber wann lesen wir das in der Zeitung?” fragen sie.

Dieser Denkansatz ist zwar nachvollziehbar, wundert mich aber vor allem bei High Tech Unternehmen, bei denen es für die Executives ganz normal ist,  alles Wissenswerte online zu suchen und zu finden.

Hier zwei Möglichkeiten, wie PR-Leute damit umgehen können:

Möglichkeit 1:        Geben Sie Ihrem Boss, was er möchte und verhelfen Sie sich dabei selbst zum Erfolg Wenn Sie einmal das Interesse des Reporters geweckt haben und dabei sind, mit ihm an den Details eines Online-Berichts zu arbeiten, fragen Sie, welche Entwicklungsmöglichkeiten die Story hat.

Wenn der Journalist noch nicht über den tatsächlichen Druck nachdenkt, fragen Sie ihn mit Vorsicht und Taktgefühl: “Was kann ich Ihnen noch anbieten,  um meinen Bericht interessant genug für Ihre gedruckte Ausgabe zu machen?” Mehr Fakten oder was auch immer sich anbietet.

Möglichkeit 2:        Starten Sie einen graduellen Erziehungsprozess.

Zeigen Sie Ihren Bossen zum richtigen Zeitpunkt, wie weit das Web Placement tatsächlich reicht.  Etwa mit Hilfe von Nielsen NetRating Zahlen – das sind die Zahlen der monatlichen Besucher der entsprechenden Seite, die etwa mit der “alten” Auflage zu vergleichen sind. Die New York Times z.B. hat eine Auflage von etwa einer Million, die wenig ruhmreich immer weiter sinkt. Das NetRating liegt allerdings bei etwa 15 Millionen. Diese Zahlen können Sie jederzeit über Ihren Media Service abfragen.

Ein anderer Tipp: Zeigen Sie, wie ein Webplacement über Suchmaschinenergebnisse immer weiterlebt.