Schweinegrippe und Kommunikation 2.0

Deutschland im Herbst 2009 – die Schweinegrippe geht um, die Nation hustet und sorgt sich, die Republik kennt nur ein Thema. Die ganze Republik? Nein, wer die Websites der großen deutschen Kliniken anklickt, erfährt dort alles Mögliche, nur zum Thema Schweinegrippe halten sich die meisten Gesundheitsdienstleister auffallend zurück. Dabei wären doch gerade sie es, die kompetent und umfassend informieren könnten.

Wir haben uns mal den Spaß gemacht und die Internet-Präsenzen von mehr als 50 der größten deutschen Kliniken im Hinblick auf deren Kommunikationsarbeit in Sachen Neue Grippe gecheckt. Das Ergebnis offenbart einigen Nachholbedarf in Sachen Online-Kommunikation: Von 55 der nach Bettenanzahl größten deutschen Kliniken nutzen ganze 12 Häuser ihre Websites, um Besucher direkt und ohne Umwege über die Neue Grippe aufzuklären. Das ist umso seltsamer, als die Schweinegrippe doch eigentlich eine Steilvorlage für die Kommunikationsarbeit von Gesundheitsdienstleistern wäre.


Aufklärungsarbeit zu Kopfläusen – aber kein Wort zur Grippe

Doch insbesondere viele Unikliniken scheinen keinen Anlass zu sehen, ihre verunsicherten Besucher im Internet detailliert über die aktuelle Situation und Hintergründe aufzuklären. Auf den Websites finden sich Pressemitteilungen zu teilweise bizarren Themen wie „Erfahren Sie, wie Flöhe und Läuse wohnen“, „Halloween Blutspende Aktion“ oder „Wenn Kindern das Kreuz weh tut“ – aber kein Wort zur Neuen Grippe. Mal eine Verlautbarung zur Impfung des Klinikpersonals, im höchsten Falle ein versteckter Link zum Robert Koch Institut – das war´s. Das ist umso seltsamer, als viele Patienten und Ratsuchende sicher den Wunsch verspüren, sich ohne Umwege direkt bei den Experten zu informieren – sprich bei Klinikpersonal und Ärzten.

Immerhin: Eine kleine Anzahl von Krankenhäusern leistet teils vorbildliche Aufklärungsarbeit und informiert Patienten schon auf den Startseiten. Zu diesen Positiv-Beispielen zählen etwa  die Berliner Charité (http://www.charite.de), die Medizinische Hochschule Hannover (http://www.mh-hannover.de), das Ortenau Klinikum (http://www.ortenau-klinikum.de) oder das Städtische Klinikum Karlsruhe (http://www.klinikum-karlsruhe.com). Sie alle bieten Informationen zur Grippe, zu Impfung und Ansteckungsrisiken. Und – auch das sei erwähnt – viele der deutschen Krankenkassen halten ebenfalls vorbildlich aufbereitete und gestaltete Informationen bereit (http://www.dak.de, http://www.aok.de).

Informationspolitik 2.0 – Vorbild USA

Ein Blick in die USA zeigt, was in Sachen Aufklärungsarbeit über das Internet möglich ist: Kein einziger großer Klinikbetreiber lässt dort die Gelegenheit aus, Patienten umfassend zu informieren, direkt auf der eigenen Website und ohne den Umweg über die klassischen Massenmedien. Beispiele sind etwa

– Mayo Clinic (http://www.mayoclinic.com)

– Cleveland Clinic (http://cchealth.clevelandclinic.org)

– John Hopkins Hospital (http://www.hopkinsmedicine.org)

– oder Beth Israel Deaconess Medical Center (http://www.bidmc.org)

Alle diese Unternehmen glänzen mit detailliertesten Materialien – vom „Flu Tracker (http://www.sharp.com/primary-care/h1n1-seasonal-flu.cfm)  bis hin zu umfassend gestalteten „Flu Facts pages“ (http://www.bidmc.org/YourHealth/FluFacts.aspx).

Wer selbst mal nachschauen möchte: Die größten Krankenhäuser und Klinikbetreiber Deutschlands lassen sich über die Website der Deutschen Krankenhausgesellschaft recherchieren: http://dkg.promato.de. Eine Übersichtsliste über die größten Klinken der USA findet sich etwa auf der Website von U.S.News: http://health.usnews.com/health/best-hospitals

 

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